Autoren Software Linux Teaser

Autoren-Software: So findest du das beste Schreibprogramm als Schriftsteller:in mit Linux

Du willst „irgendwas mit Text“ machen oder bist schon viele Jahre als Autor:in oder Schriftsteller:in tätig? Das geht auch mit Linux – du musst dabei nicht auf Privatsphäre und Sicherheit verzichten. Manuskripte planen, schreiben oder abgeben geht problemlos auch ohne Windows oder macOS. Auch der Export bei Selfpublishing ist keine Herausforderung. Du brauchst nur die richtigen Programme. Neben allgemeinen Tipps und Anmerkungen findest du hier auch die besten (subjektiv) Schreibprogramme für Autoren mit Linux.

Du willst „irgendwas mit Text“ machen oder bist schon viele Jahre als Autor:in oder Schriftsteller:in tätig? Das geht auch mit Linux – du musst dabei nicht auf Privatsphäre und Sicherheit verzichten. Manuskripte planen, schreiben oder abgeben geht problemlos auch ohne Windows oder macOS. Auch der Export bei Selfpublishing ist keine Herausforderung. Du brauchst nur die richtigen Programme. Neben allgemeinen Tipps und Anmerkungen findest du hier auch die besten (subjektiv) Schreibprogramme für Autoren mit Linux.

Autoren-Software: Besonderheiten?

Es gibt Autor:innen und Schriftsteller:innen, die mit einem blanken Texteditor von Anfang bis Ende ihre Manuskripte anfertigen. Doch viele Schritte lassen sich mit moderner bzw. umfangreicher Software vereinfachen. Mehrere Schritte lassen sich so an einem Ort erledigen.

Wenn du nur deinen Text tippen willst und auf die ganzen Hilfen keinen Bock hast, dann schau dir doch mal die Texteditoren in diesem Artikel an.

Einige Programme beherrschen mehr Funktionen. Beispielsweise:

  • Inhalte planen und strukturieren
  • Notizen anlegen
  • Personen- und Ortsbeschreibungen jederzeit griffbereit hinterlegen
  • Mindmaps zur Storyline erschaffen
  • Analyse für Lesbarkeit, Grammatik und Rechtschreibung durchlaufen lassen
  • Export als docx, odt, epub, LaTeX oder PDF

Diese Programme werden oft auf Autoren-Software genannt. Davon gibt es immerhin eine gute Handvoll am Markt, die stetig weiter entwickelt werden. Allerdings gibt es viele Programme nur für eine Plattform – mal Windows, mal macOS. Manchmal beide und ganz selten ist auch Linux mit dabei. Dank der hier aufgelisteten Vertreter ist es also kein Problem, sein Autor:innenleben auch mit Linux zu bestreiten.

Literature & Latte: Scrivener
Scrivener: Nur für macOS und Windows

Papyrus Autor, Scrivener und DramaQueen: Platzhirsche für Linux?

Sehr viele Autor:innen nutzen mit Windows und macOS die Programme Papyrus Autor und Scrivener. Es sind weltweit oder mindestens in Deutschland die wohl meist genutzten Rundum-Sorglos-Pakete für das schreibene Völkchen.

Allerdings gibt es beide nicht für Linux.

Dank der Emulation WINE ist es prinzipiell möglich, beide unter Linux zu nutzen, wirklich empfehlenswert für den Alltag ist es aber nur bedingt. Da empfiehlt es sich eher, eine virtuelle Maschine mit Windows oder macOS zum Schreiben zu installieren (geht z.B. über Gnome Boxes) und darin zu schreiben und für alles andere weiterhin Linux zu nutzen.

Hier findest du die Installationsanleitung von Scrivener für Linux.

Hinweis: Brachliegende Programme wie Plume Creator oder oStorybook werden hier nicht weiter erwähnt. Sollte die Entwicklung wieder aufgenommen werden, gibt es dazu natürlich einen eigenen Absatz.

Drehbuch- und Skript-Software für Linux

Es gibt spezielle Programme für szenisches Schreiben, sprich Drehbücher für Film, Fernsehen oder Hörspiele. International auch Screen Writing bzw. Script Writing genannt. Für belletristische Autoren sind sie zu speziell, daher finden sie vorerst nur als reine Namen Erwähnung.

Etwa DramaQueen, das sich eher an Prosa- und Drehbuchautor:innen richtet und vor allem durch die visuelle Komponente bei der Planung seine Fans gefunden hat. Die Linux-Version gab es mal, mangels zahlender User aber wieder eingestellt. celtx ist eher für Drehbücher und läuft im Browser – eine aktuelle, native Version für Linux gibt es nicht (nur von 2020 bei SnapCraft). Auch Trelby, KitScenarist, STARC und Scrite werden als Drehbuch-Software in einem eigenen Artikel irgendwann näher behandelt.

Doch was bietet die Linux-Welt für Autor:innen von Belletristik und Co?

Bibisco Autoren Software Editor GUI
Bibisco mit dunklem Theme

Bibisco (FOSS)

Bibisco ist ein umfassendes Programm für Autoren und Schriftsteller, das mit einer modernen und minimalistischen Oberfläche und großen Funktionsumfang punkten kann. Außerdem können Projekte über die eigene Cloud (z.B. Nextcloud oder Dropbox) mit anderen Systemen getauscht werden – Bibisco unterstützt Linux (DEB, RPM, Binary), Windows und macOS.

Die Oberfläche unterteilt sich (seit Version 2.4) in eine Seitenleiste und einen Editor. In der Seitenleiste befinden sich Menüpunkte zum Aufbau, Charaktere, Schauplätze, Objekte, Beziehungen, Notizen, Kapitel (Manuskript), Zeitskala, Analyse, Tipps und die Exportfunktion. Dadurch wirkt es aufgeräumter als andere Programme, die mit überfüllten Menüleisten schnell überfordern können.

Einige Punkte lassen sich aufklappen und beinhalten noch mehr Unterpunkte, etwa der Aufbau des Romans mit Prämisse, Chronologie, Handlungsort und eigenen Notizen.

Das Programm bietet neben einer Projektübersicht für jeden Schritt bei der Entstehung eines Buches bzw. Manuskripts einen passenden Punkt in der seitlichen Menüleiste. Es geht mit dem Aufbau los, das sich in Prämisse, Chronologie, Handlungsort und Erzählstränge aufteilt. Es können Haupt- und Nebencharaktere in sehr umfangreichen Charakterbogen-Masken, die Schauplätze und nennenswerten Objekte angelegt werden – alle optional mit Bild. Die Charaktere können in Beziehungen grafisch verknüpft werden. Für jeden Punkt gibt es eigene Notizbereiche. Auch die Kapitel lassen sich in die einzelnen Szenen, Zweck und eigene Notizen ausklappen. Die Notizen, Orte oder Charakterbögen lassen sich später in einer Seitenleiste aka Projektexplorer in jedem Editor-Fenster anzeigen. Auch Tags lassen sich frei vergeben.

Sind die Kapitel im Editor geschrieben und rudimentär formatiert, kann der gesamte Text bei Bedarf analysiert werden – das bedarf allerdings sinnvoll verwendeter Tags bzw. Stichwörter. Die Zeitleiste wird automatisch angelegt und ist eher eine klickbare Übersicht. Einsteiger:innen bekommen Tipps zum Programm und Romanschreiben – Fachliteratur oder Erfahrung ersetzt das freilich nicht, ist aber ein netter Start für Neulinge. Eine Volltextsuche hilft beim Wiederfinden von bestimmten Textpassagen. Mit der Sequel-Funktion können Charaktere, Handlungsorte und Notizen in ein neues Projekt übernommen werden.

Am Ende kann das Werk als PDF, docx, txt, epub oder Archiv exportiert werden.

Bisbisco ist „FOSS“ und wird unter GPL-Lizenz veröffentlicht. Es gibt eine kostenfreie Community Edition und eine kostenpflichtige „pay what you want“ Supporters Edition, in der mehr Funktionen wie etwa die Textanalyse, der Export als epub oder der Dark Mode freigeschaltet sind.

Verglichen mit den Platzhirschen fehlen hier Stilanalyse und ggf. Duden-Support.

Manuskript Autoren Programm GUI
Manuskript, (c) Youtube / Tim Bullins

Manuskript (FOSS)

Das unter GPL veröffentlichte Manuskript bietet nicht ganz so viele Funktionen wie etwa Bibisco, ist aber durch die Aufteilung in Seitenleiste und Editor sehr übersichtlich. Es richtet sich an Roman-Schreiber:innen.

Kapitel und Szenen werden in der Seitenleiste einklappbar angezeigt. Kapitel können in Karteikarten (mit Titel und kurze Beschreibung) angezeigt werden. In Tabs können so auch eine Zusammenfassung, Charaktere, Orte, verschiedene Plots, eine Übersicht (Outline) oder die Veröffentlichung angezeigt werden. In letzterem können für die Szenen in einer Art Tabelle die Hauptpersonen, Labels, der aktuelle Status, aktuelle und Ziel-Wortanzahl und ein Prozent-Balken angezeigt werden. Schneller bekommt man kaum Übersicht. Allerdings fehlen einigen Nutzer:innen sicherlich noch eigene Tags für den besseren Workflow.

Manuskript wirkt optisch etwas altbacken. Allerdings gibt es in den Kommentaren unter dem aktuellen Release 0.14 (Jun/2022) vom Entwickler ein Statement, dass das gerade überdacht wird. Eventuell wird es demnächst da Änderungen geben. Damit würde Manuskript auch wieder in mein persönliches Feld der Möglichkeiten rücken. Denn auch wenn mich der Rest überzeugt, hält mich immer wieder die durchaus unschöne Oberfläche von der Arbeit darin ab.

Dafür gibt es aber nützliche Werkzeuge, die die Arbeit mit Text etwas einfacher machen. Etwa den Frequency Analyzer, mit dem sich schnell wiederholende Wörter oder Wortfolgen (sowie Sätze) identifizieren lassen. Dafür gibt es aber den individualisierbaren Distraction Free Modus, in dem alles andere außer dem Text ausgeblendet wird. Der ist mitunter auch notwendig, da der Editorinhalt keinerlei Abstand zu den Seitenleisten hat und somit bei längeren Texten (was Romane nunmal sind) schnell die Übersicht verloren geht. Da hilft leider auch nicht die durchaus praktische Idee der zwei Betriebsmodi: Fiction und Simple. In Simple ist alles ausgestellt, außer dem Writing-Tab.

Das Programm ist kostenlos verfügbar, wird über GitHub verwaltet, und offiziell noch Pre-Release. Die Releases für Linux, Windows und macOS sind hier verfügbar.

Patchwork 3 Autoren Programm GUI
Patchwork 3, (c) Patchwork / Youtube

Patchwork (via WINE)

Patchwork ist ein Autorenprogramm für Windows. Dank WINE und einer vorausschauenden Programmierweise können Linux-User offiziell (!) auf die umfangreiche Software zurückgreifen.

Die Sache hat möglicherweise einen Nachteil: Die Darstellung leidet je nach Systemschrift. Es ist mitunter schlecht lesbar, wirkt pixelig und eher unschön. Für mich ein Ausschlussargument für die persönliche Nutzung. Du solltest bei Bedarf die 30 Tage Demo ausprobieren. Mit Linux Mint konnte ich die Herausforderung bei der Darstellung allerdings problemlos umgehen bzw. hatte diese nie. Es kommt also auf deine Distribution bzw. die installierten Pakete und Schriften an.

Auf der Homepage wird Patchwork als „das beste Autorenprogramm“ beschrieben. Ob das so ist, muss am Ende jede:r selbst beantworten. Gemessen am Funktionsumfang könnte es aber für Einige passen, denn es wird direkt von einem Autoren für Autor:innen entwickelt. Und wer weiß bitteschön besser, was ein Autorenprogramm braucht, als ein Autor?

Optisch erinnert es an MS Word. Durch die Ribbon-Menüs mit allerlei Buttons wird es für mich leider schnell unübersichtlich. Dafür hat es eine steile Lernkurve und ist farblich mit 22 Skins anpassbar. Auch ein puristischer Modus (quasi Distraction Free) ist im Umfang. Und es bietet verschiedene Wege zum Ziel bei jedem Schritt des Schreibens.

Patchwork 3 Funktionen lassen sich (ganz grob) so zusammenfassen:

  • Plotten (7 Systeme!)
  • Charaktere (Namensgenerator mit Zeit- und Ortsbezug!) + individuelle Mind Map
  • Planungsmatrix
  • Storyline
  • Projekt- und Szenebezogene Recherche (Download von Internetseiten)
  • Kapitelübersicht + Outline in umfangreicher Tabelle
  • Thesaurus-Anbindung
  • Rechtschreib-, Grammatik- und Stilprüfung (Duden)
  • Export in doc, RTF, PDF, ePub, Mobi
  • tollen und netten Support

Das Programm bedient sich über sogenannte Module, die einzeln an- und abgeschaltet werden können. Während im Basismodus nur ein paar aktiv sind, können im Profimodus bis zu 66 Komponenten zugeschaltet werden. Dann beherrscht Patchwork neben Stilprüfung auch u.a. Drehbücher, eine eingebaute Cloud-Sync, einen Team-Modus für bis zu 5 Autor:innen gleichzeitig und Vieles mehr.

Patchwork 3 ist nicht Open Source. Eine Lizenz inklusive Duden Support kostet 134 Euro. Ohne Duden 99 Euro. Menschen mit wenig Geld können die Lizenz in vier Raten zahlen. Kudos für die Möglichkeit!

Wer nichts gegen die Word-Optik und volle Menüleisten hat, bekommt hier (wohl) das umfangreichste Autorenprogramm für nicht all zu viel Geld. Unter Linux allerdings immerhin mit WINE – und leider nicht FOSS. Patchwork ist zudem „nur“ 32 Bit und kann daher auf „nur 64 Bit-Systemen“ durch die Kompatibilitätsmodi zu Problemen führen. Ich hatte allerdings bisher keine bemerkt.

VIM Markdown
VIM mit hellem GUI

VIM / NeoVim

Vielleicht wundert es dich, ausgerechnet VIM in dieser Liste zu finden, wo es doch schon in der Markdown-Liste erwähnt wurde. Schließlich ist es ein Texteditor im Terminal. Allerdings gibt es Autor:innen, die sich dank der extremen Flexiblilität des Programms ihre eigene Schreibumgebung aufgebaut haben. Das braucht allerdings nicht nur Vorerfahrung in VIM und eine gewisse Muse, sich in das Programm einzuarbeiten, sondern noch einen selbst entwickelten Workflow, denn VIM gibt keinen vor.

VIM (auch NeoVim) lässt sich relativ einfach zu einem Distraction Free Editor umbauen. Dazu können bis zu einem gewissen Grad Textanalyse und Rechtschreibkorrektur installiert werden. Außerdem ist es einfach, mehrere Dokumente gleichzeitig zu öffnen, ohne das Programm mehrfach starten zu müssen. Allerdings gestaltet sich der Export recht schwierig (nur Postscript-Dateien oder via Pandoc per Befehlszeilen) und auch die Konzeptarbeit muss auf reinen Text beschränkt werden.

Dennoch: Wer sich daran versucht, bekommt ein sehr individuell eingerichtetes Textprogramm. Das Werkzeug passt sich in dem Fall an euch an, nicht anders herum.

In diesem VIM-Talk kannst du erfahren, wie ein (!) Autor sein VIM eingerichtet hat. Seine VIM-Config gibt es hier.

Dein Autoren-Programm für Linux?

Wurde ein Programm übersehen, dass sich unbedingt in diese Liste muss? Dann schreibe gern ein Kommentar oder mir eine E-Mail.

Willst du ein Programm näher vorstellen? Dann schreib doch einfach den Artikel selbst! So wird’s gemacht.

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Claudius ist freier Autor zu Themen wie IT, Linux und Audio. Er nutzt Linux als Daily Driver und Kreativsystem. Aktuelles Linux: Debian Testing, PopOS (Gaming PC)
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